STORIES ON DISABLEDPLANET

 

 


MEIN UNFALL


An und für sich ein ganz normaler Tag. Ich bin auf dem Nachhauseweg und fahre auf der Autobahn mit 120km/h. Vor mir fuhr ein LKW. Leider konnte ich ihn nicht überholen, da die Überholspur ziemlich belegt war.

Plötzlich sah seine Bremslichter aufleuchten und aus seinen Radkästen qualmte es. Gottseidank, ich bin gerade noch zum stehen kommen. Ich atmete auf. "Alles nochmal gut geg..." dachte ich. Aber ich konnte noch nicht fertigdenken. Ich sah ein Kleinlaster im ERückspiegel der ziemlich schnell auf mich zukam. Schon hats gekracht. Er ist direkt ins Heck meines Wagens gedonnert. Ich bekam von hinten einen extremen Schlag. Dann unmittelbar danach war alles wieder ruhig. Ich war froh, dass es mir nichts gemacht hat. Na gut, mein Auto ist jetzt hin, aber ich habe es gut überstanden....

Doch halt! Etwas stimmte mit meinem Körper nicht. Meine Arme konnte ich nicht mehr bewegen und irgendwie schien mich etwas an den Beinen festzuhalten. Ich wusste nicht was. Komischerweise hatte ich keinerlei Schmerzen. Erst nach einer gewissen Zeit sah ich das Übel.

Meine Beine sind mit dem Blech de Fussraums eins geworden. Als ich in den Fussreaum blickte, sah ich mein rechter Unterschenkelknochen aus dem Blechkneuel schauen. Auch mein rechter Oberschenkel verschwand teilweise im Blech.
Der linke Oberschenkel verschwand ebenfalls im Blech. Im noch sichbaren Teil klaffte eine grosse Wunde wobei ich bis zum Knochen sah. Dieser hatte sich aufgesplittert. Komischerweise hats überhaupt nicht geblutet. Beide Füsse konnte ich nicht mehr erkennen.

Auch mein Becken sah irgendwie unförmig aus.

Beide Arme waren irgendwie komisch gekrümmt. Sie schienen mindestens gebrochen zu sein.

Kunsstück:
Der Kleinlaster hat mein Auto direkt unter dem vorderen Laster gestossen. So war der Vorderwagen meines Autos komplett zertrümmert worden.

Nun stand plötzlich eine Gestalt neben meinem Wagen. Es war der Fahrer des vorderen Lasters. Er fragte kurz ob ich verletzt sei. Ich bestätigte ihm das. Kurz darauf sagte er, dass er Hilfe holen würde. Einige Minuten später (Mir kam das vor als seien es Stunden gewesen) hörte ich die Signale der Polizei und des Rettungsdienst.

Es verstrich wieder etwas Zeit als sie bei mir angekommen waren. Sie sahen schnell, dass man mich nicht so einfach aus dem Trümmerhaufen holen konnte.

Mit einiger Kraft hoben sie dann das Dach weg. Erst dann sahen sie auch, dass nmeine Beine hoffnungslos eingeklemmt waren. Nach einigem Hin und Her entschloss man sich für eine Massnahme ohne die ich nicht zu befreien wäre. Ich ahnte was sie vorhatten. Der Sanitäter hats mir dann auch schonend beigebracht. Ohen, dass sie mir die Beine amputieren kaäme ich hier nicht raus.

Sie würden mir hier schon meine Beine entfernen. Die Amputationsstellen mussten ja ziemlich hoch sein, denn meine Oberschenkel sind ja fast nicht mehr als solche erkennbar.

Kaum hatte ich meine Gedanken an dieser Amputation verloren macvhte mir der Sanitäter auch eine entsprechende Spritze. Er stocherte damit in beiden Hüften herum. nun wurden die Hüften auch entsprechend gesäubert und desinfiziert. Langsam merkte ich, das die Stellen die vorher gespritzt worden sind immer tauber wurden. Nun wirds ernst. Ich verliere nun meine Beine und kann noch zuschauen wie der Arzt es macht.

Er setzte nun den ersten Schnitt. Er schnitt mit seinem Skalpell einfach am oberen Teil meines linken Oberschenkel herum als sei es ein Schweinsbraten der gerade transchiert wird. Die Wunde wurde tiefer und tiefer. Nun war der Knochen freigelegt und der Arzt holte eine Art Eisensäge hervor. Im OP hätten sie eine elektrische. Hier müsse man sich mit einer Handsäge vorlieb nehmen. Er sägte mit dieser Säge recht mühsam meinen Oberschenkelknochen durch. Als er durch war spürte ich wie die Spannung an diesem Bein sich löste. Der Stumpf war extrem kurz geraten. Nach einer Druckverbandversorgung passierte das selbe mit meinem rechten Bein. Hier mussten sie allerdings noch hoher gehen. Wieder schnitt er mit ruhiger Art zielgerichtet mein Oberschenkel durch.  Die Knochensäge könne er sich hier sparen. Sie trennten mein Bein direkt im Hüftgelenk durch so dass sie den Knochen direkt aus der Gelenkpfanne holen konnten.

Nun bin ich aus dem Autowrach befreit.

An meinem Becken ist nur noch der blutverschmnierte Druckverband vorhanden. Meine Beinkneuel waren im Autowrack zurückgeblieben.

Ich wurde dann in das nächstgelehgene Unfalkrankenhaus geflogen. Nach einer Notoperation   und einer Phase des künstlichen Schlafes wurden mir das ganze Ausmass meiner Verletzungen bekanntgegeben.

Ich hatte also beide Beine bis zur Hüfte verloren. Die Ärzte mussten den linken Stumpf weiter kürzen. Es brauchte noch Gewebe um mir die Wunden schliessen zu können. Das Becken war ebenfalls mehrfach gebrochen.

Aber wo ist mein linker Arm? Er war ja auch weg.

Er musste ebenfalls amputiert werden, da der Oberarmknochen derart zersplittert war, dass auch hier keine Hoffnung  bestand ihn zu retten.


Mein rechter Arm war dick eingegipst. Doppelter Oberarmbruch, Schulterblatt gebrochen, Elle zweimal und Eiche dreifacher Splitterbruch.
Noch siehts so aus, als ob die Ärzte ihn retten können.

Dazu kommen unzählige Rippenbrüche. Erstaunlicherweise hatte ich keine sonstigen inneren Verletzungen.

Ein etwa 5cm langer Stumpf ziert auf meinem linken Oberkörper. Mein rechter Arm ist dick eingebunden und geschient. Ausserdem ist meine rechte Schulter gestützt von einem korsettähnlichem Gebilde.

So liege ich nun völlig hilflos in meinem Bett. Ich weiss, dass ich mein Leben völlig umstellen muss. Falls mir der rechte Arm gerettet werden kann habe ich wenigstens noch einen Arm zur Verfügung mit dem ich die notwendigsten Dinge erledigen kann. Aber im Moment scheint die ganze Sache noch ungewiss. Jedenfalls kann ich mich jetzt darauf vorbereiten wies sein könnte wenn der Fall eintreffen wird, dass auch mein rechter Arm amputiert werden müsste.

Der Hüftstumpf jedenfalls bereitet mir extreme Schmerzen. Dazu kommt, dass mein Becken gebrochen ist. So ragt ein regelrechtes Metallgestell aus meiner Hüfte. Ich bin also eingespannt wie in einem Schraubstock.

Nur der linke Armstumpf liess sich ein klein wenig bewegen. Aber wirklich nur ein klein wenig. Er trägt einen Verband den die Krankenschwester gerade wechseln muss. Sie schneidet ihn behutsam mit der Schere durch und ziehht so die Überreste des alten Verbandes ab. Von der Achselhöhle herkommend zieht sich eine lange Naht über den Stumpf. Oh, das gefällt aber gar nicht. Die Stumpfspitze hat sich irgendwie schwarz verfärbt. Ein Arzt der gerade beim Bettnachbar ist, meint, dass es sich um Wundbrand handelt. Da muss sofort etwas passieren.

Das tut es auch. Ich werde in den OP gefahren wo in windeseile ein Operationsteam hergeholt wird.

Ein Anästhesist verabreicht mir eine Spritze in die linke Schulter. Es muss nachamputiert werden. Gerade weil der Stumpf so kurz ist ist die Gefahr sehr gross, deshalb muss schnell gehandelt werden.

Jetzt spüre ich nichts mehr und der Chirurg schneidet langsam meinen kurzen Stumpf wiedeer auf. Er legt das ohnehin kurze Oberarmknochenstück frei.

Aus der Oberarmamputation wird nun eine Schulterdisartikulation. Das heisst, dass ich dann nicht einen Ansatz des Armstumpfes besitzen werde. Die Prothesenversorgung wird so unmöglich. Mittlerweile ist dies nun meine dritte Amputation die ich mehr oder weniger live miterlebe.

Nun wird der Knochenstumpf aus der Schultergelenkpfanne geholt und entfernt. Das Muskelgewebe wird zurechtgeschnitten damit die Wunde damit wieder geschlossen werden kann. Es muss sehr viel Gewebe weggeschnitten werden das vom Wundbrand betroffen ist.

Am Schluss ist eigentlich kein Stumpf mehr erkennbar. Lediglich eine kleine Beule die den Ansatz des Schultergelenks anzeigt ist noch vorhanden. Na ja, um diese 5cm Stumpf trauere mich jetzt nicht mehr nach. Trotzdem war dies entscheidend für eine mögliche Prothesenversorgung.

Vielmehr mache ich mir die Gedanken über die Zukunft meines rechten Arms. Dieser schmerzt sehr heftig.

Nun ist auch fast mein ganzer Körper einbandagiert. Aus dem Becken kommen zusätzlich einige Schäuche. Diese dienen unter anderem auch dazu, mein Darm und Blase zu entleeren.

Die Tage werden lang und sind nur durch die Visiten und Verbandswechsel aufgelockert. Die Schmerzen halten sich nur dann in Grenzen, wenn ich micht nicht zu bewegen versuche. Ich bekomme aber sehr starke Schmerzmittel.

Nun soll heute Morgen ein CT von meinem ganzen Körper gemacht werden. So wollen die Ärzte die Heilungswentwicklung genauer unter die Lupe nehmen. Dabei gibt es einige Schwierigkeiten mein rechter Arm so zu plazieren, dass ich durch das recht enge Loch passe. Ich sage dem Arzt mehr im Spass noch: "Schneidet ihn doch ab dann passe ich bestimmt durch."

Ich glaube, die Ärzte haben dies nicht verstanden.

Nach ein paar weiteren Untersuchungen bin ich wieder heilfroh wieder in meinem Krankenzimmer zu sein. Am nächsten Morgen sollen mir dann die nächsten Behandlungsschritte erklärt werden.

Es ist mir schon fast egal was noch kommen wird. Ich habe mich bereits damit abgefunden, dass ich nun als schwerstbehinderter gelte. Aber wenn ichs genau nehme hängt von meinem rechten Arm einige Selbständigkeit ab.

Andere Fragen beschäftigen mich bereits mehr. Wie werde ich das Gleichgewicht im Rollstuhl halten? Dies muss doch schwierig sein, wenn man ja nur noch den Rumpf hat. Werden die Beckenknochen wieder einigermassen zusammenwachsen.

Was den fehlenden Arm betrifft so stehe ich ja bereits in der Hauptprobe. Der rechte Arm ist zwar noch da aber im Moment alles andere als gebrauchsfähig. So muss ich bereits jetzt gefüttert werden. Ich erhalte ja Spezialfood da meine Darmentleerung nicht funktioniert.

Dann am nächsten Morgen die Visite:

Das CT hätte ergeben, dass einige Knochenteile im Becken entzündet seien und damit auch andere Organe gefährdet wären. Dazu ist eine OP notwendig die auf den Nachmittag angesetzt ist. Dabei wird ein teil des Beckens entfernt und ersetzt durch einige Titanteile. Diese können dann eine genügende Stabilität garantieren welche nötig sei meinen Körper tragen zu können. Speziell im Rollstuhl wird mich das erleichtern.

Am rechten Arm sei keine Veränderung feststellbar. Das bedeutet, dass hier die Heilung extrem langsam vor sich geht.

Am Nachmittag des selben Tages werde ich nun in den OP gebracht. Schon wieder werden mir ein paar Teile entfernt denke ich.

im OP wird dann entschieden mir eine Rückenmarksanästhesie zu machen.

Als diese zu Wirken beginnt machen sich die Chirurgen daran das Metallgestell zu demontieren. Nachdem mein Unterkörper sauber desinfiziert wurde, wird mir auch erklärt was gemacht werden soll und dass es ein paar mal unangenehme Geräuschge geben soll.

So wird nun mein Unterleib aufgeschnitten. Es werden einige Schnitte nötig sein bis alles erreicht werden kann.
Das rechte Beckenteil müsse fast komplett entfernt werden. Der Chirurg zeigt mir dann auch die Titanschale die mir im rechten Teil eingesetzt werden soll. Auf der linken Seite ist lediglich die Hütgelenkpfanne entzündet. Dort wird dann nur eine Überbrückunsstange notwendig sein.

So wird in meinem Becken gesägt und gebohrt wie verrückt. Das ist alles spürbar als starke Vibrationen.

Etwa 7 Stunden später werde ich mit einem dicken Verband an meinem Becken wieder in mein Zimmer geschoben. Nun schmerzt mein Beckenstumpf noch stärker als vorher. Abe das Metallgestell muss ich nicht mehr tragen. Wednigstens dieser Vorteil sit mir vorläufig aufgefallen.

Die Operation am Becken verheilt gut. Schon eine Woche nach der Operation werden mir die Fäden gezogen. Schon bald danach kann man auf einen Verband verzichten. Aber die Narben sind immer noch rot angeschwollen. Es ist ein unschöner Anblick. Vom Bauchnabel weg verunzieren viele Narben mein Beckenbereich. Nur diese erinnern auch noch ein wenig, dass hier mal sowas wie Beine dran waren. Jedenfalls kann ich mich erstaunlicherweise gut damit abfinden, dass ich nie mehr laufen kann. An eine Prothesenversorgung ist nicht zu denken. Die Vernarbung sei so schlimm, dass hier nichts zu machen ist. Mein Becken ist ein einziges Flickwerk und lässt eine Körperbelastung nicht mehr zu. So wird auch für den Rollstuhl etwas nötig, das mein Becken entlastet. Na ja, im Moment ist liegen angesagt.

Die Stelle, die früher mal den Ausgangspunkt meines linken Armes war ist ebenfalls sehr schön verheilt. Heute wird mir der Verband endgültig entfernt. Es befindet sich lediglich eine kleine Beule des Schlüsselbeins und des Schulterblattes auf meiner linken Oberkörperseite. Eine einzige gerade etwa 15cm lange Narbe ziert diese Beule. Was ich aber besonders interesannt finde ist, dass ich die Beule bewegen kann. Der Arzt bestätigt mir, dass hier eventuell eine Prothese eingesetzt werden könnte die sich mit diesen Bewegungen steuern lässt. Ich solle daher die Bewegung dieser Beule möglichst viel üben damit sie möglichst schnell an Kraft zunimmt und sich möglichst alle vorhandenen Muskeln gestärkt werden. Sofort begann sich auch eine Physiotherapeutin um dieses Training zu kümmern.

Leider ist dabei der steife und unbewegliche rechte Arm im Weg.

Heute werde ich in die Röntgenabteilung gefahren, damit der Heilungsprozess beurteilt werden kann. Dabei habe ich den Eindruck, dass mein Oberarm schon relativ gut verheilt ist. Darin habe ich so gut wie keine Schmerzen mehr.

Der Gips und alle Verbände werden mir jetzt entfernt. Da sich besonders an meinem Unterarm viele Metalldrähte befinden, die aus der Haut kommen und an einer Schiene befestigt sind, ist die Enfernung des Gipses und alle Verbäünde äusserst schwierig und mühsam zu bewerkstelligen. Es bereitet mir auch sehr starke Schmerzen.

Nach einer halben Stunde liegt mein rechter Arm also nackt und mit viel Metall bespickt auf dem Schragen. Beriet zum röntgen. Er ist noch schlimmer mit Narben und Nähten versehen wie mein Beckenstumpf.

2 Stunden dauern die Untersuchungen bevor ich wieder Schienen und Gips an meinem Arm erhalte. Die Schulter und Oberarm sei aber bereits gut verheilt, so dass die Schulter nun frei bleiben kann vom Gips. So erhalte ich einen Gips der am Oberarm bis unter den Ellbogen homogen ist. Am Unterarm wird die Hand ruhig gestellt und mit einer Gipsschiene mit dem Oberarmgips verbunden. Auf der Oberseite meines Unterarms werden die Metalldrähte wieder gut an der Metallschiene fixiert. Dazwischen wird mir ein dicker Verband angelegt.

Nun heisst es warten auf die Resultate dieser Untersuchung.

Zurück im Zimmer weerde ich bereits von der Schwester erwartet. Es ist Mittagszeit. Die Schwester wird mich nun füttern. Da ich ja nur noch einen Arm besitze und dieser erst noch im Gips steckt ist an ein selbständiges Essen nicht mehr zu denken. Gerade geht mir durch den Kopf: Wird das nun immer so sein? Kann mein rechter Arm gerettet werden?

Ach ja, wenn ich fleissig Bewegungsübungen mache mit dem linken Armstumpf werde ich wenigstens am linken Stumpf eine Prothese tragen können. Mit der kann ich bestimmt wieder essen. Auch wenn es schwierig sein wird. Ach, ich bin eigentlich Rechtshänder. Vielleicht kann mir wenigstens der rechte Oberarm erhalten bleiben. Da bin ich eigentlich zuversichtlich.

Nun wird mein Bett so gestellt, dass ein wenig hochgerichtet bin. Ich komme mir vor wie ein kleines Kind als mich die Schwester füttert. Ich bin jedenfalls froh als diese Prozedur fertig ist. Morgen werde ich erfahren, wie die Untersuchungsergebnisse meines rechtn Arms azussehen. Den ganzen Nachmittag verbringe ich mit Musikhören und immer wieder dämmere ich ein. Die Untersuchungen ware ja sehr ermüdent. Ich merke, dass mein Körper noch sehr schwach ist. Kein Wunder: Ich liege ja schon einige Wochen fast unbeweglich im Bett.

Bis mein Leben ein einigermassen normalen Ablauf findet ist es noch ein weiter beschwerlicher Weg.

Aber ich habe in keinem Moment den Lebensmut verloren. Das hat mich schon selber etwas überascht.

Ganz so kalt lässt mich aber die ganze Sache nicht. Immer wieder schaue ich mir den rechten Arm an und stelle mir vor wie es den sein wird ohne ihn. Ich bewege meine Finger und versuche mich vorzustellen, dass sie bald einmal nicht mehr da sind. Gut, etwas Erfahrung habe ich bereits in Sachen Amputationen aber ich wurde bis jetzt noch nie darauf vorbereitet.... Ach was denke ich? Der Arm wird sicher nicht amputiert. Die Knochen werden doch heilen. Dannh werde ich wenigstens diesen Arm und diese Hand normal gebrauchen können.

Nun, wenn ich mir jetzt aber auseinandersetze mit der schlimmsten Möglichkeit, dann fällt mir die ganze Sache vielleicht etwas leichter. Schliesslich bekam ich in der letzten Zeit einen kleinen Vorgeschmack dfarauf, dass ich gar keine Arme mehr besitze.

Dass beide Beine weg sind stört mich aber zu diesem Zeitpunkt fast gar nicht. Das mag vielleicht damit zusammenhängen, dass ich sowieso immer im Bett gelegen habe.

So verbringe ich die folgende Nacht ziemlich unruhig. Da ich am Nachmittag viel gedöst habe, bin ich nun hellwach. Trotzdem bin ich sehr müde.

Endlich sehe ich durch das Fenster ein wenig die Sonne durchschimmern. Es ist Morgen und ich bin platschnass. In all den schweren Nächten habe ich besser geschlafen als diese Nacht obwohl ich sehr starke Schmerzen hatte.

Nach der Körperpflege und dem Frühstück (wie gehabt geht das nur mit fremder Hilfe) ist dann endlich Arztvisite angesagt. Da werde ich endlich erfahren was mit meinem Arm geschehen soll.

Mein Herz klopft rasend, als die Ärzte, gefolgt mit einigen Assistenzärzten und Schwestern mein Zimmer betreten und sich um mein Bett aufstellen als sei ich ein Museumsstück das es zu bewundern gilt.

Na, ein bisschen aussergewöhnlich bin ich ja schon. Bestehend aus einem Rumpf aus dem nur eine störende Gliedmasse ragt. Der Rest ist mehr oder weniger flach. Kein linker Arm und auch keine Beine sind mehr zu finden. So sieht mein rechter Arm schon etwas störend aus.

An der Mine des Arztes kann ich bereits ablesen, dass er mir keine gute Nachricht überbringen wird. Also doch, mein rechter Arm muss auch geopfert werden.

Der Arzt führt jetzt aus, dass die Unterarmknochen eine schwere Entzündung eingefangen haben. Es handle sich um eine Knochenentzündung welche vom Handgelenk bis etwa zur Mitte des Unterarms reiche. Mein Leben sei mit der Zeit akut gefährdet, wenn man hier nicht schnell  etwas unternehme.

So, jetzt ist es raus. Mein Arm wird also auch amputiert.

Das liesse sich nicht vermeiden. Selbst wenn man die endzündeten Knochen heilen könne werde ich meinen Unterarm nicht mehr gebrauchen können.

Die optimalste Lösung ist demnach eine Amputation knapp unterhalb des Ellbogens so, dass hier eine Prothesenversorgung ermöglicht sein wird.

Im schlimmsten Falle könne man das aber erst während der Op entscheiden. Wichtig ist aber, dass noch im gesunden Teil amputiert werden muss. So kann es sein, dass ich im letzten Moment sogar davon ausgehen muss, dass die Amputation im Ellbogen oder gar am Oberarm erfolgen muss.

Der Operationstermin soll bereits am Abend dieses Tages erfolgen.

Was wird das für ein Tag. Jetzt mit der Gewissheit, dass mir auch die Gliedmasse amputiert wird. Vorbereiten auf das abendliche schlachten?

Ich sehe auf meinen Arm und weiss, am Abend wird er nicht mehr zu meinem Körper gehören. Wird er dann in der Patologie auseinandergeschnitten? Wird er weggeworfen und wandert im Müll? Oder wird er gar im Haus verbrannt?

Wirklich ein komisches Gefühl sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen.

Am Mittag bekomme ich trotz riesigem Hunger nichts zu essen. Ich muss nüchtern sein für die Operation, die um 16.00 angesetzt ist. Sie soll etwa 2h in Anspruch nehmen.

Etwa 1 Stunde vor Operationsbeginn werde ich ins Gipszimmer geführt wo mir der immer noch recht frische Gigs entfernt werden soll. Unter höllischen Schmerzen wird der Verband entfernt, der sich um die Drähte, die noch meine Armknochen zusammenhalten, windet.   Dazu wird die Metallschiene entfernt. Die Drähte werden etwa 2cm über der Haut durchgetrennt.

Nach der Entfernung des Gipses wird mein ganzer Arm noch gründlich gewaschen und rasiert. Danach wird er mit einem Verband leicht verbunden. Geschient wird er nicht mehr, da ich gleich danach in den OP gefahren werde. Damit ich möglichst geringe Schmerzen habe werde ich aufgefordert den Arm ganz ruhig zu halten.

Nun werde ich in den OP geschoben. Wie schon so oft in der letzten Zeit die Begrüssung des OP Teams.
entscheidet man sich für eine Vollnarkose.

Das Stündlein meiner letzten Gliedmasse hat nun geschlagen. Auf dem OP Tisch schlafe ich nun ein...
...
Nun, einige Zeit danach wache ich im Aufwachsaal wieder auf. Erstaunlicherweise schmerzt mein rechter Arm kaum.

Ich kann mich ein wenig meinem Kopf auifrichten und ein wenig nach rechts drehen. Völlig benommen erblicke ich die Resten meines rechten Arms. Der Stumpf scheint recht lang zu sein. Ich denke wenigstens bleibt mir der Oberarm erhalten. Ich kann aber kaum erkennen, ob der Ellenbogen noch vorhanden ist. Der Verband ist so dick, dass man dies nicht erkennen kann. Den Proportionen nach scheint dies doch so zu sein. Vergleichen kann ich ja nicht mehr.

Nun bin ich 4fach amputiert. Wie werde ich mein zukünftiges Leben gestalten können?

Solange ich mich hier im Spital aufhalten muss geht es ja noch. Aber was kommt danach?

Zurück in meinem Zimmer erklärte mir die Schwester, dass man meinen Unterarm unmittelbar unterhalb des Ellbogens amputiert hat. Der Unterarmstumpf sei gerade mal 3cm lang. Dies reiche gerade noch für eine Prothese die man mit dem Ellbogen bewegen könne.

Den Sinn für die Zeit habe ich etwas verloren. Draussen ist Dämmerung. Also schon früh des Morgens nach der Amputation. Obwohl ich Müde bin kann ich nicht schlafen. Sobald ich den Kopf aufrichten will wird mir übel. Das kommt von der Narkose.

Ich bemerke einen neuen Zimmernachbar. Dieser schläft noch tief. Seine Beine stecken beide in einem dicken Gipsverband.

Zwei Stunden später als auch er erwacht, ist Frühstück angesagt. Besonderen Hunger verspüre ich nicht dabei. Trotzdem werde ich gefüttert. Ich bemerke die komische BNlicke meines Zimmernachbars. Offenbar hat er nmittlerweile entdeckt, dass ich amputiert bin.

Bei der Visite, die unmittelbar danach erfolgt wird mir zum ersten Mal der Verband gewechselt. Zum ersten mal kann ich meinen kurzen Unterarmstumpf  betrachten.. schön kurz und mit einer etwa 14cm langen Naht , die sich durch die Mitte des Stumpfes zieht, sieht der Summpf doch recht passabel aus. Natürlich ist er stark angeschwollen und rot gefärbt. Aber damit habe ich schon einige Erfahrung sammeln können. Die Schmerzen halten sich erstaunlicherweise in Grenzen. Ich glaube, dass ich mittlerweile an starke Schmerzen gewöhnt bin. Natürlich werde ich auch mit starken Schmerzmittel vollgepumpt.

Mein Nachbar hat das Starren noch nicht aufgegeben als ich ihn anspreche. Was er mit seinen Beinen gemacht habe frage ich ihn. Ganz erstaunt von dieser Frage ungd kaum ein Wort herausbringend stotterte er: Er habe sich gestern auf einer Baustelle beide Beine gebrochen als er vom Gerüst gefallen war. Letzte Nacht wurde er eingeliefert und seine Beine wurden erstmal in einen Gips gesteckt. Morgen sollen sie operiert werden.

Er wagt mich aber nicht zu fragen warum ich amputiert sei. So beginne ich mit meiner Geschichte. Offenbar hat er nicht gemerkt, dass auch meine Beine nicht mehr vorhanden sind.  Er wundert sich über meine Äusserungen so stark, dass man ihm das richtig ansieht.

So dauert es einige Zeit als er mich nach meiner Zukunft fragt. So kommen wir doch auf ein interessantes Gespräch.

Wenigstens habe ich nun einen Zimmerpartner mit dem ich gut reden kann. So vergeht die Zeit sehr schnell. Ich kann auch seine Fortschritte verfolgen.

Auch ich mache vor allem mit meiner linken Schulter so gute Fortschritte, dass ich guter Hoffnung bin, dass ich auf beiden Armen nicht ganz verzichten muss.

So kommt schliesslich der Tag wo an der linken Schulter und meiner Hüfte einen Gipsabdruck gemacht werden soll für das Anpassen einer Prothese bzw. eine Stütze für meine Hüfte, damit diese mein Körpergewsicht tragen kann wenn ich im Rollstuhl sitze. Der rechte Unterarmstumpf ist zwar noch immer eingebunden aber Bewegungsübungen muss iich mit ihm auch machen damit ich auch Kraft genug habe um eine Prothese tragen und bewegen zu können. Dazu brauche ich viel Übung.

Im Gipszimmer werden an meinen Körper dann Unmengen Gips verarbeitet.

Fast einen halben Tag hänge ich wie ein Wäschestück an einem Patientenlift und warte bis der Gips der meinen ganzen Rumpf  ziert. Ausser des linken Schulterstumpfes welcher nach der Entfernung des jetzigen Gipses bearbeitet wird und dem übriggebliebenen rechten Arm ist fast mein ganzer Körper im Gips. Ein seltsamer Anblick.

Nach der Entfernung der Rumpfschale wird nun meine linke Schulter eingegipst. Auch diesen Gips muss ich einige Zeit tragen bis er genügend trocken ist.

Die nächsten Wochen ist eigentlich nicht sehr spektakulär.Jeden Tag ist ein Verbandswechsel an meinem rechten Unterarmstumpf angesagt. Die Fäden sind mittlerweile gezogen und der Stumpf nimmt langsam seine endgültige Form an. Ich muss nun auch entsprechende Bewegungsübungen machen damit ich mit einer zukünftigen Prothese auch gut umgehen kann. Dies schmerzte am Anfang stark und ich hatte praktisch keine Kraft mehr. Dies äusserte sich auch dadurch, dass mein Oberarm und das Ellbogengelenk fast Muskellos erscheinen. Der restliche Arm war so dünn, dass man die Konturen der Knochen genau sehen konnte. Der Ellbogen war ein dicker Klumpen der dann im dünnen vernarbten Stumpf endete. Aber mittlerweile haben sich die Muskeln wieder gut entwickelt. Nun kann ich auch schon das kurze Stümpfchen des Unterarms recht gut und schmerzfrei bewegen. Es sieht irgendwie lustig aus, wenn ich das mache. Es bewegt sich nur eine kleine Beule.

Da ich keine kompletten Gliedmassen mehr habe bin ich nicht in der Lage auch die einfachsten Dinge zu erledigen. Gerade aus diesem Grund freue ich mich auf meine Armprothesen die ich zwar eingeschränkt bewegen kann und so ein paar >Sachen wieder selber machen kann. Dabei stpört es mich aber wenig, dass ich den Rest meines Lebens im Rollstuhl verbringen muss und niemehr laufen kann.

Einige Zeit später erhalte ich das Beckenkorsett das mich wie gesagt im Rollstuhl halten wird. Da mein restliches Becken eine schwierige und durch viele Narben übertsähte Körperpartie darstellt bereitete sich die Herstellung dieses Korsetts sehr schwierig. Aber nun ist sie fertig. Nun wird fast mein ganzer Torso darin verpackt. Damit die ganze Sache stabil wird, reicht das Korsett bis hoch an meinem Brustkasten.

Das Korsett besteht im wesentlichen aus mehreren Kunstoffschalen die gepolstert sind und sich wie ein Schuh festschnüren lässt. Fast ein halber Tag wird beansprucht um mir die ganze Sache anzupassen. Immer wieder Anprobieren und warten bis die Änderung wieder fertig ist. Aber dann passt die ganze Sache.

Zum ersten Mal werde ich mit den seitlichen Riemen an meinem neuen Rollstuhl befestigt. Mit dieser Befestigung wird verhindert, dass ich nach vorne fallen kann. Ich kann mich selbst ja nicht mehr auffangen. Wenn ich falle dann falle ich. So fühle mich auch recht sicher.

Obwohl ich im Bett immer wieder aufgestellt wurde bin ich sehr schnell so müde, dass ich froh bin wieder in die liegende Lage versetzt zu werden. Trotzdem werden die Rollstuhlausflüge von Tag zu Tag länger.

Dann zum ersten Mal der Besuch im Spitaleigenen Restaurant. Da ich den Rollstuhl selber nicht bewegen kann werde ich von meiner Freundin, die zum Glück während der ganzen Zeit voll zu mir gestanden ist, gestossen.

Da das Korsett auch schön meine Genitalien versorgt habe ich lediglich ein einziges Kleidungsstück an. Euin T-Shirt.  Ein komisches Gefühl kommt in mir auf als wir zum Fahrstuhl kommen und dort schon einige Fahrgäste warten.

Natürlich werfen diese Leute seltsame Blicke auf meinen Körper. Jetzt wird mir Bewusst, dass ich nicht mehr dem Standard entspreche.

Dasselbe dann im Restaurant das ziemlich überfüllt ist. Es lässt sich kein freier Tisch finden. Nun stellt mich meine Freundin an einen 6er Tisch wo gerade noch zwei Plätze frei sind ab. Zuerst muss sie den Stuhl wegschieben damit mein Rollstuhl platz hat. Ach ja... Ich habe ab jetzt meinen Stuhl immer bei mir. Die anderen 4 Plätze sind bereits von einer Familie belegt die offenbar ihren ca 10 jährigen Sohn besucht. Dieser hat seinen rechtten Arm im Gips.

Während meine Freundin Kaffe holt spricht mich der 10jährige Patient an: "Was haben sie denn mit dir gemacht. Wo hast du deine Arme und Beine?" Etwas überrascht und etwas zögernd antworte ich dem kleinen Patient. "Die mussten mir alle abgeschnitten werden. Ich hatte ganz schlimme Verletzungen an beiden Armen und an beiden Beinen. Nun muss ich ohne sie leben." Der Junge antworten dann etwas verlegen. " Da habe ich Glück, mein Arm muss mir nicht abgeschnitten werden. Er ist nur gebrochen. Aber sag mal wie kannst du denn noch essen?" "Ich kann im Moment nicht selbständig essen. Ich muss gefüttert werden wie ein kleines Kind. Aber bald werde ich 2 neue Arme erhalten mit denen ich dann wieder essen kann."
erwidere ich diesm kleinen Patienten der den Kontakt mit mir nicht scheut. Verdutzt schaut er mich an: "Was, du bekommst wieder neue Arme? Nähen sie dir wirklich wieder 2 neue Arme an?" "Nein, keine echten Arme, sondern nur Kunstoffarme welche ich bewegen kann. Nur auf Beine muss ich in Zukunft verzichten."

In der Zwischenzeit kommt meine Freundin mit 2 Kaffeetassen zurück. In einer Tasse steckt ein Strohalm damit ich ihn besser trinken kann. Der Junge scheint seine Schwester und die Eltern vergessen zu haben. Die ganze Zeit beobachtet er mich wie ich meinen Kaffee schlürfe.Die anderen Gäste und auch die Eltern des Jungen sehen mich sehr oft an.

So bin ich froh, dass mich meine Freundin wieder zurück ins Zimmer schiebt. Ich bin Müde und auch erleichtert als ich mein Korsett wieder los bin. Echt befreiend wieder mit nacktem Körper im Bett zu liegen.

Im Restaurant habe ich aber eine wichtige Erfahrung gemacht. Ich bin nicht mehr der Mensch wie er den meisten bekannt ist. Ich bin anders. Ich habe keine Gliedmassen mehr! So deutlich ist mir das bis jetzt nicht bewusst geworden.

Nun ist auch mein rechter Stumpf so verheilt, dass man hier ebenfalls einen Gipsabdruck nehmen kann um mir dann eine Prothese verpassen zu können. Es wird sich hier um eine sogenannte Myoelektrische Prothese handeln. Dabei werden an meinem Oberarm und am Stumpf allerlei Elektroden angebracht die dann Nervensignale aufnehmen können die dann von einem Mikroprozessor ausgewertet werden und entsprechende Schrittmotoren ansteuern welche die Prothese bewegen. So werde ich mit der Prothesenhand fast alles wieder machen.

Etwas ähnliches ist ja mit dem linken Arm geplant. Aber leider ist hier eine detailierte Bewegung der Hand nicht möglich. Es fehlt ganz einfach zuviel von meinem Arm. Die Befestigung dieser Prothese an meinem Rumpf lässt sich nur über mein Korsett bewerkstelligen das ja entsprechend vorbereitet wurde. Mein linker Stumpf ist einfach zu klein um eine Prothese halten zu können. Nur die Schulter , Ellbogen werde uich einigermassen bewegen können. Die Hand lässt sich nur drehen und wie eine Zange schliessen bzw öffnen. Die einzelnen Finger werde ich im Gegensatz zur rechten Prothese nich bewegen können.

Eine Woche später ist die Prothese für den linken Arm fertig. Nun erfolgt wieder eine lange Phase des Anpassens. Schliesslich passt sie recht gut. Das ANbringen der Elektroden und Befestigen an meinem Korsett bereitet sich recht schwierig. Zum Anlegen meiner Prothesen werde ich immer auf fremde Hilfe angewiesen sein. Denn ohne Prothesen schaffe ich es nicht mir Prothesen anzulegen. Vor dem Anlegen muss nebst den Elektroden die direkt auf der Haut an bestimmten Stellen angeklebt werden, der Stumpf schützend mit entsprechenden Elastikbinden einbandagiert. Dies geht nur über meine ganze Brustpartie. Am Schluss ist mein Oberkörper mit Riemen, Kunstoffschalen und Binden gar nicht mehr zu sehen.

Einige Zeit vorher wurden meine übriggebliebenen Muskeln auf die nutzbaren Signale getestet. Da könnte ich bereits einige Erfahrung sammeln wie ich meine Prothese in Zukunft bewegen muss. Das ist äusserst mühsam denn es handelt sich ja nicht mehr um die gleichen Steuerungen die es früher einmal waren. Mein Hirn muss sich jetzt mächtig umstellen. So kommt es, dass ich am Anfang keine Kontrolle über meine Prothese habe. Wenn ich zB. die Hand bewegen will beuge ich stattdessen den Ellbogen oder gar die Schulter. Besondere Schwierigkeiten bereitet auch das fehlende Gefühl in der Prothese. Aber mit der Zeit wird das immer mehr zur Routine so, dass ich nach ein paar Wochen sogar ein Trink Glas halten kann. Leider schaffe ich es noch nicht es an meinen Mund zu führen und schon gar nicht daraus zu trinken.

Ich nutze bei meinen intensiven Übungen auch mein rechter Unterarmstumpf um die Prothese an den richtigen Ort zu führen. Zunächst ist mir sehr wichtig, dass ich bis zum Erhalt meiner zweiten Prothese noch im Krankenhaus sehr intensiv übe. Sobald ich meine rechte Prothese erhalten habe, werde ich in ein Rehazentrum geführt. Dort werde ich lernen alles wieder einigermassen selbständig anzupacken. Auch der richtige Umgang mit dem Rollstuhl werde ich dort lernen. Gerade weil ich auch keine Arme habe bereitet der selbständige Umgang mit dem Rollstuhl zusätzliche Probleme.

Die Einsatzfähigkeit meiner Prothese steigert sich von Tag zu Tag. Die täglichen Übungen machen auch immer mehr Spass. So kommt es, dass ich mich an meine Prothese so sehr gewöhne, dass ich schon fast froh bin amputiert zu sein. Ja das ist so. Ich entdecke immer wieder etwas neues und das ist sehr spannend. Mit eigenen Händen umzugehen ist ja so etwas gewöhnliches. Nun kann ich ohne Hilfe des rechten Unterarmstumpfes das Trinkglas an meinen Mund führen. Bald darauf ist es mit Wasser gefüllt und ich besitze schon das Feingefühl für meine Prothese, dass ich kein Tropfen verschütte. Allerdings bereitet das Trinken schon einige Probleme. So verschütte ich wie ein Kleinkind das Wasser über mein Körper. Zum Glück ist es nur Wasser. Schliesslich gelingt es mir die Hand so fein dossiert zu drehen, dass ich ohne zu verschütten trinken kann.

Stolz bin ich seitdem ich im Restaurant das Glas nicht mehr auf dem Tisch stehen lassen muss und aus einem Strohhalm schlürfen muss. Jetzt kann ich das Getränk zu mir nehmen wie es jeder andere mit der richtigen Hand auch macht. was heisst hier richtige Hand? Ist den meine Hand nicht auch eine richtige Hand? Bereits jetzt empfinde ich sie als sei sie schon mein eigenes Fleisch und Blut.

Aber noch kompletter werde ich, wenn ich auch die rechte Prothese erhalte. Diese ist in der Zwischenzeit auch fertig geworden. Wieder erfolgt eine lange Anpassungsphase. Ich freue mich schon jetzt wie ein kleines Kind auf die Übungen mit ihr.

Die Prothese wird nun am Oberarm befestigt und ist somit auch gut belastbar. Ich werde also mit ihr auch schwerere Lasten tragen können. Elegant verschwindet nun mein kurzer Stumf im Schaft der Prothese. Nachdem der Oberarmteil verschnürt ist ist auch mein rechter Arm wieder einigermassen komplett. Zum ersten Mal habe ich wieder zwei Arme. Das freut mich so sehr, dass ich fast vergessen habe, dass ich keine Beine mehr habe.

Diese machen sich aber zeitweise unangenehm bemerkbar. Immer wieder verspüre ich ein eigenartiges Gefühl als seien sie noch da. Dies ist bei den Armen anders. Diese spüre ich einfach nicht mehr.

Der Grund liegt darin, dass mir die Beine bereits auf der Unfallstelle amputiert wurden so dass eine entsprechende Anästhesie zur Verhinderung dieser Phantomgefühle nicht gemacht werden konnte. So werde ich an den Beinen immer wieder von den Phantomschmerzen geplagt. Es handelt sich zum Glück nicht um reine Schmerzen sondern eher ein komisches Gefühl als seien die Beine noch da. Ein Kribbeln und jucken ziht sich runter bis zu den fehlenden Füssen. Erst wenn ich hinschaue bemerke ich dann, dass die Beine ja weg sind.

Nach fast einem halben Jahr Krankenhausaufenthalt geht mein Weg jetzt zur Rehaklinik in der ich nun auf mein neues Leben als Schwerstbehinderter getrimmt werde.

Fortsetzung folgt...,

from: Martin
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