STORIES ON DISABLEDPLANET

 

 


Mein Unfall (Teil 2)


Vorher darf ich eine Woche nach Hause. Ich denke, dass ich mein zu Hause fast nicht mehr erkenne. Einige Investitionen waren nötig um die Wohnung Rollstuhlgängig zu machen. Ich bin auch gespannt über die ersten Begegnungen mit meinen Nachbarn. Diese wissen zwar was mit mir passiert ist, dennnoch weiss ich nicht wie sich mir gegenüber verhalten werden. Sind sie einfach nur geschockt vom Anblick oder wissen sie nicht wie sie sich verhalten sollen.

Am Morgen vor der Abreise packt  meine Freundin all meine Sachen ein. Die Kleider die ich beim Unfallgetragen habe sind noch in einem Plastiksack. Beim Anblick meiner Jeans werden Erinnerungen an die Amputation am Unfallort wach. Die Hosenbeine sind völlig zerfetzt. Nur der alleroberste Teil ist noch vorhanden aber nur noch in Form blutverschmierter Fetzen.

Nun werden wir diese Hosen mit nach Hause nehmen und aufbewaren als Andenken an den Unfall sozusagen.

Ich brauche jetzt keine langen Hosen mehr. So ist mir meine Freundin behilflich meine Turnhosen anzuziehen. Ich kann das mit den Armprothesen noch nicht so recht.

meine Freundin musste sich auch schon in denm vergangenen Tagen damit vertraut machen wie meine Prothesen und Korsett anzulegen sind. Dies wurde von einer Schwester vorher genau gezeigt.

Als alles eingepackt war geht es los. Meine Freundin rollt mich zum Fahrstuhl. Wir verabschieden uns an der Krankenhausreseption. Am Parkplatz wartet nun ein nagelneuer Van auf uns der speziell zum Rollstuhltransport eingerichtet ist auf uns. Natürlich wird er gesteuert von meiner Freundin. Das wird meine erste Fahrt mit einem Auto seit dem Unfall. So kommen natürlich sofort die Bilder von diesem Tag hoch. So habe ich schonn ein wenig ein mullmiges Gefühl. Trotz allem, Angst habe ich keine.

Jetzt steht mein Rollstuhl mit mir als Inhalt etwas ratlos neben dem Fahrzeug. Wie soll ich jetzt in das Auto einsteigen? Obwohl meine Freundin mir behilflich ist ist es ein recht schgwieriges Manöver. Obwohl ich stark an Gewicht abgenommen habe. Allein schon durch die fehlenden Gliedmassen bin ich doch noch ziemlich schwer für meine Freundin. Aber dann sitze ich trotz allem im Fahrzeug. Jedoch vermisse ich noch den Halt nach vorne. Dies wird erst besser als meine Freundin mir die Gurte festmacht. Aber zuerst heisst es den Rollstuhl noch ins Auto packen.

Jetzt wird mir auch bewusst was ich an meiner Freundin habe. Ohne ihre Hilfe wäre ich ziemlich verloren und hilflos.

Auf der Nachhausefahrt sitzen meine Gedanken fest am Unfall. Hoffentlich passiert so was nicht noch einmal. Gut, meine Beine können nicht mehr amputiert werden, die sind ja eh schon weg. Ebenso die Arme. Aber wenn nun meiner Freundin so was zustösst? Nicht auszudenken.

So bin ich froh endlich zu Hause zu sein. Nach einem ähnlichen Procedere wie der Einstieg ins Auto geht auch der Ausstieg vonstatten. Unterwegs zu unserer Wohnung begegnet uns zwar niemand aber das Zusammentreffen mit Nachbaren lässt sich nicht vermeiden. Unsere Wohnung wurde in der Vergangenheit komplett umgestaltet. Von der Küche bis zum Bad ist alles rollstuhlgängig ausgebaut.

Endlich zu Hause. Aber die nächste Zeit wird sicher eine sehr schwierige Zeit. Ich habe keine Krankenschwester mehr die für mich alles macht.

So will ich zuerst einmal ausruhen von den Strapazen der Nachhausefahrt. Meine Freundin hilft mir aus dem Rollstuhl damit ich mich in meinem Bett hinlegen kann. Endlich kann ich mein Unterleibskorsett wieder für einige Zeit ablegen. Sie hat sich mittlerweile an meinen mit Narben übersähten Unterleib gewöhnt. Später werde ich dieses Korsett den ganzen Tag tragen aber ich muss mich erst noch dran gewöhnen denn es ist sehr eng und steif.

Die Armprothesen lege ich nicht ab, denn beim Abendessen möchte ich versuchen mit meiner Unterarmprothese meine Gabel zu benutzen. Mit der linken Prothese kann ich allerhöchstens den Teller ruhig halten damit er nicht rumrutscht. Das Ganze wird sehr mühsam werden. Die Krankenschwestern haben mit weiterer Hilfe mehr Erfahrung als meine Freundin. Aber nun werde ich noch ein wenig schlafen. Am nächsten Morgen wollen wir zum ersten Mal zu meinem Hausarzt. Dieser kennt zwar meine Geschichte, jedoch hatten wir noch keinen Kontakt nach dem Unfall. Bin gespannt wie es sein wird. Auch die Begegnung mit anderen Menschen.

Das Abendessen geht für mich wie vermutet sehr mühsam und langsam. Ich versuche mit der Prothese einen Happen im Teller zu packen. Da  ich aber kein Gefühl in den Fingern habe gleitet mir sogar die Gabel aus der Prothese. Da werde ich wohl noch kräftig üben müssen. Zum ersten Mal wünschte ich, ich könnte keine Prothese tragen und müsste wirklich gefüttert werden.

Trotzdem hoffe ich, dass ich es bald lerne, damit ich wenigstens beim Essen keine fremde Hilfe brauche.

Am Abend wieder das gleiche Prozedere: Korsett weg und diesmal auch meine Armprothesen. Ziemlich hilflos liege ich nun zum ersten Mal in meinem eigenen Bett. Meine Freundin legt sich in ihres nebenan.

Wir plaudern lange über den nächsten Tag. Es dauert aber nicht lange bis sich meine Freundin mir etwas näherkommt. Sie fängt an zärtlich über meinen Körper zu streicheln. Sie erschtrak ein wenig als sie meinen Unterleibsstumpf berührte. Dabei erstaunte mich, dass in mir ein seltsames und schönes Gefühl hochkommt. Irgendwie sind meine Stümfe erregend wenn man sie berührt.  So geniessen wir wieder unsere gemeinsame Nacht. In sexueller Hinsicht scheint zwischen uns alles in Ordnung zu sein. Im Gegenteil: Meine Empfindungen sind fast stärker wie vorher.

Am nächsten Morgen fahren wir dann zu unserem Hausarzt.

Gespannt schiebt mich meine Freundin in den Warteraum des Arztes. Dieser ist voll mit Leuten. Alle Sitzgelegenheiten waren besetzt und meine Freundin musste stehen. Ich würde ihr gerne mein Sitzplatz zur Verfügung stellen aber das geht leider nicht da ich ohne diese nicht auskommen konnte. Da ich ein T-Shirt trage und dazu auch noch meine alten Turnhosen sieht jedermann direkt was mit mir los ist. So kommt es, dass die Blicke der anderen Patienten auf mein Körper gerichtet ist. Ach nee... jetzt bemerke ich, dass unter den Patienten auch ein ehemaliger Schulkollege sitzt. Er traut sich ganz offensichtlich nicht mich anzusprechen. Ich bin mir aber ganz sicher, dass er mich noch kennen muss. Er trägt seinen Arm im Gips. Das gibt mir die Gelegenheit ihn anzusprechen. "Hallo, wie gehts denn so? Wie ich sehe hast du auch einen Unfall gehabt. Was ist denn da passiert?" "Ich habe mir beinm Skateboard den Unterarm gebrochen...aber äh.... Was ist denn mit dir passiert?" fragt dieser gan!
z verschämt. "Nun, ich hatte einen schlimmen Autounfall. Meine Beine mussten noch unmittelbar an der Unfallstelle amputiert werden. Meine Arme wurden erst im Krankenhaus amputiert. Jetzt muss ich lernen fast ohne Gliedmassen auszukommen denn lediglich mein rechter Arm wurde mir am Unterarm amputiert." "Oh, da hast du aber eine schreckliche Zeit hinter dir." erwidert er.

Das Gespräch wurde durch den Arzt unterbrochen der nun mein Schulkamerad abholt.

Bald darauf werde ich vom Arzt abgeholt und ins Sprechzimmer geschoben. Ich begrüsse meinen  Arzt mit meiner rechten Prothese. Er bittet mich auszuziehen und mich auf das Bett zu legen. Alle Prothesen sollen entfernt werden. Dabei ist er mir behilflich. Erstaunt schaut er auf meinen vernarbten Unterleib."Oh, da musste man aber richtig ans Werk gehen" meint er.

"Ja, ich habe so ziemlich alles erlebt was man mit Amputationen erleben kann. Besonders meine Beine die mir noch auf der Unfallstelle amputieren musste. Nachamputationen erfolgten im Spital." erwiderte ich.

Wir redeten lange über meinen Unfall. Ich bin etwas erstaunt über mich selber wie einfach ich das so erzählen kann. Eigentlich habe ich mich schon recht gut damit zurecht gefunden. Nicht unglücklich wäre ich allerdings, wenn mein Becken etwas besser halten würde.. Mein Arzt macht noch ein paar Röntgenbilder vom Beckenbereich. Er will abklären was sich hier machen lässt.

Bis die Röntgenbilder fertig sind schiebt mich meine Freundin wieder in den Wartesaal. In der Zwischenzeit hat dort eine Junge Frau mit zwei Kindern Platz gefunden. Das etwa 7jährige Mädchen trägt an ihrem linken Bein ein Oberschenkelgips. Sie trug auch ein Röckchen, so dass ihr ganzes Gipsbein sichtbar ist. Am Kopf trägt sie eine Mütze. Schon wird mir klar weshalb. Sie hat keine Haare. Was dies zu bedeuten hat wird mir sehr schnell klar. Offenbar hat sie gerade eine Chemotherapie hinter sich. Verdutzt schaut mich dieses Mädchen an und bemustert mich ziemlich genau.

Nach einer Weile fragt das Mädchen seine Mutter: "Mami schau, der Mann da hatte sicher auch Knochenkrebs". Die Mutter zuckt auf und läuft sichtlich rot an. Als sie ihre Tochter in die Schranken weisen will sage ich zu ihr, dass mich das absolut nicht stört.

"Nein", sage ich zu dem Kind, "Ich hatte ein ganz böser Autounfall bei dem ich fast alle meine Glieder verlor. Mittlerweile geht es mir aber schon wieder ganz gut. Man gewöhnt sich schnell daran, dass man keine Beine mehr hat. Ich werde jetzt gefahren und habe immer eine nette Chauffeuse dabei." Dieser Satz löste ein Lächeln bei dem Kind aus.

"Meine Tochter hat an ihrem Oberschenkelö einen Knochentumor. Die Hälfte des Oberschenkelknochens, das Kniegelenk und auch ein Teil des Schienbeins sind betroffen. Heute erfahren wir, ob das Bein amputiert wereden soll oder nicht. IWir machen uns hier keine Hoffnung. Meine Tochter hat sich schon damit abgefunden, dass ihr Bein demnächst am Oberschenkel amputiert werden muss. Sie bereitet ihr Leben schon jetzt auf diese Situation vor." sagt die Mutter.

"Da bist du ja ein tapferes Mädchen" sage ich.

Nun wird die Familie gerufen. Das Mädchen packt ihre Krücken und humpelt sehr elegant aus dem Wartezimmer. Eine weitere halbe Stunde warten wir alleine im Wartezimmer bis wir wieder an die Reihe komme. Vor dem Wartezimmer kommt gerade die Familie aus dem Sprechzimmer. Das Mädchen voraus und eine etwas traurig wirkende Mutter. "Eine Hogffnug hatte ich doch, aber die Chemo hat nichts gebracht." meint sie. "In zwei Tagen schneiden mir die Ärzte auch mein Bein ab," sagt das Mädchen, "und ich kann dann immer mit Krücken Laufen"

Etwas erstaunt empfängt uns der Arzt im Sprechzimmer. "Erstaunliches Mädchen. Sie ist kein bisschen unglücklich über diese Situation. Nun aber zu Ihnen" meinte er. "Ich habe mir  das Röntgenbild angeschaut und muss sagen, da haben die Chirurgen agnze Arbeit geleistet um ihr Becken einigermassen stabil hinzukriegen."

Eine Verbesserung dieser Situation wäre nicht so einfach. Das Risiko, dass es unstabiler wird als jetzt ist doch zu gross.

Ein paar Tage bleiben mir noch Zeit bis ich in die Rehaklinik kann. Ich habe mich entschlossen, noch zu dem Mädchen ins Krankenhaus fahren. Dies taten wir denn auch. Ein Tag nach ihrer Amputation. Als wir in Richtungn Kinderkrebsabteilung kommen kam uns schon ein anderes Mädchen entgegen. Sie sitzt im Rollstuhl. Ihr linkes Bein sieht irgendwie unnatürlich aus. Dort wo normalerweise das Kniegelenk sitzt ist bei ihr der Fuss. Aber eigentlich ist dieser Fuss verkehrt herum an ihrem Oberschenkel. Sie hat eine sogenannte Umkehrplastik. Auch andere Kinder tummeln sich fröhlich im Gang herum. Die meisten sind kahlköpfig.

Nun befahre ich das Zimmer wo unsere kleine Patientin liegt. Es vergeht keine Zeit bis sie mich erkennt. Logisch, so ein reduzierter Körper wie mich findet man nicht alle Tage. Schnell sehe ich ihr Beinstumpf der noch ganz dick im Verband eingewickelt ist.

Sie freut sich sehr über meinen Besuch. Die Frage nach den Schmerzen verneint sie zwar, doch an ihrer Art wie sie das sagt kann man erkennen, dass sie schon Schmerzehn haben muss.

"Schau, jetzt habe ich auch ein kurzer Stumpf und bin amputiert wie du. Mein böser Tumor habe sie jetzt einfach weggeschnitten. Bald kann ich wieder mit meinen Krücken laufen."

Als ich das so sehe kommt mir meine Amputationen wieder hoch. Ich erzähle dem Mädchen mehr oder weniger meine Geschichte wie ich zu den Amputationen gekommen bin. Die Krankenschwester kommt nun in das Zimmer und fängt an den Verband zu wechseln. Deutlich sehe ich, dass das Mädchen ihr Gesicht verzieht. Das ist schon schmerzhaft aber sie erträgt die ganze Sacher sehr tapfer. Ihr Stumpf ist wirklich kurz geraten. Kaum 5cm unterhalb ihres Beckens ist das Ende ihres Beines erreicht. Die Naht ist noch sehr frisch und auch ein wenig mit etwas eingetrocknetem Blut bedeckt, das die Schwester vorsichtig wegwischt. Das Ganze ist noch stärk gerötet und angeschwollen.

Mehr als eine ganze Stunde verbringe ich beim Mädchen. Bei der Verabschiedung kann ich ihr leider nicht versprechen, dass ich sie nächstens wieder besuchen kann. Gerne täte ich das aber. "Ich muss in eine Spezialklinik. Dort kann ich lernen mit meinen Amputationen wieder klarzu kommen. Ich muss also in eine Art Schule sozusagen."

Auf der Rückfahrt rede ich mit meiner Freundin noch lange über dieses Mädchen. Wir bewundern beide ihre Tapferkeit. Ich wollte, ich hätte diese auch gehabt in meiner schwierigen Zeit.


Aber ab morgen kann ich meine Lernfähigkeit unter Beweis stellen. Für die nächsten 6 Wochen ist die Reha angesagt. Da soll ich lernen mit meinem Rolli umzugehen. Aber auch die richtige Verwendung meiner Armprothesen soll geübt werden.

Also nichts wie alle Sachen zusammenpacken.

Am nächsten Morgen ladet mich meine Freundin ins Auto. Sie hat viel Arbeit mit all dem Gepäck. Nach einiger Zeit ging die Fahrt los mit dem Ziel der Rehaklinik für Schwerstbehinderte. Was mich da wohl alles erwartet? Wahrscheinlich wird es keine einfache Zeit. 2Monate soll mein Aufenthalt in dieser Klinik dauern. Eine schön lange Zeit.

Nun, am Ende unseres Fahrzieles hilft mir meine Freundin aus dem Auto. Zusammen betreten oder besser gesagt fahren wir in die grosse Eingangshalle der Klinik. Ein angenehmes Klima herrscht in dieser Halle. Es kommt mir eher den Eindruck einer Reception eines grossen Hotels. Wären da nicht einige Rollstühle parkiert.
Ein nettes Fräulein am Empfang teilte uns dann mit wir sollen doch ein Augenblick warten. Es werde gleich jemand kommen der uns abholen wird. Die Theke ist tief angeordnet, damit die Rollstuhlfahrer gut mit der Person kommunizieren können die hinter der Theke arbeitet. So bemerke ich, dass die Dame hinter der Theke ebenfalls im Rollstuhl sitzt. Leider kann ich nicht erkennen ob sie amputiert oder gelähmt ist. Aber das werde ich schon noch erfahren, denke ich. In der Wartezeit begegne ich immer wieder Leute im Rollstuhl oder auf Krücken. Amputierte gleichwohl wie Gelähmte. Beeindruckt bin ich von einem etwa 15jährigen Mädchen das gerade vorbeigeschoben wird. Sie ist in ihrem Rollstuhl festgeschnallt. Auch der Kopf ist fixiert. Ein Schlauch führt von der Rückenlehne des Rollstuhls an ihren Hals. Sie wird ganz offensichtlich künstlich beatmet. Auch ihre Hände sind so an die Lehne gelegt, dass schnell die Gewissheit kommt, dass sich das Mädchen überhaupt nicht mehr bewegen kann.

Bald aber werden wir von einer Schwester abgeholt. Mit meiner Armprothese begrüsse ich diese Schwester. "Also ich werde jetzt Ihr neues Zuhause voerstellen. Wir haben gedacht, dass wir sie in ein Zweierzimmer legen. Ist es Ihnen recht so?" fragte sie. "Ja, klar. Ich teile gerne das Zimmer." erwidere ich. Ich bin gespannt wie mien Zimmernachbar behindert ist.

Unterwegs treffen wir immer wieder Menschen die entweder im Rollstuhl sich fortbewegen oder auf Krücken. Manche werden geschoben, andere bedienen ihren Elektrorollstuhl selber und wieder andere werden geschoben. Ich spreche die Schwester an auf das Mädchen das ich in der Halle gesehen habe. "Ja ein tragischer Fall" erzählt sie " Durch eine falsche Behandlung an der Unfallstelle und danach auch in der Klinik erlitt sie eine vollständige Durchtrennung ihres Rückenmarks. Sie wird vom Hals an für immer vollständig gelähmt bleiben. Der Schaden ist so hoch, dass sie vom Hals abwärts absolut nichts mehr von ihrem Körper spüren kann. Sie wird bei uns lernen wie sie ihren Elektrorollstuhl und andere Sachen mit dem Mund steuern kann."

Bald haben wir unser Zimmer erreicht. Das Zimmer ist riesengross. Ein wirklich tolles Zimmer. Am Rollstuhl erkenne ich, dass mein Zimmergenosse auch ein Rollstuhl benützen muss. Er ist aber nicht im Zimmer.Wird wahrscheinlich gerade getrimmt. Die Schwester erklärt mir alles was das Zimmer zu bieten hat. Da gibt es sogar einen Fernseher. Radio mit Kopfhörer ist auch neben dem Bett eingebaut. Mit grossen Knöpfen, die auch von behinderten Armen bedient werden können. Das Bad mit Dusche ist riesengross und enthält alles um mit Schwerstbehinderten klar zu kommen. "Für alle die Mobil sind wird das Essen im eigenen Rerstaurant serviert. Nur wer frisch ist und gefüttert werden muss, ist das einfacher wenn es auf dem Zimmer geschieht. Wie gut können Sie gbereits mit Ihrer Prothese umgehen?" fragt sie mich. "Nun, ich habe natürlich schon oft probiert mit meiner Prothese zu essen, habe aber noch grössere Schwierigkeiten." " Das ist kein Problem. Nach der Reha werden sie mit Ihrer Prothes!
e fast besser essen können wie andere die noch beide Arme haben. Deshalb schlage ich vor, dass wir das zuerst im Zimmer üben. Später nach einer Woche sollten Sie soweit sein, dass Sie Ihr Essen im Restaurant selbständig einnehmen können." meint sie.

Meine Fruendin fängt nun an meine Sachen in dem für diesen Zweck vorgesehenen Schrank zu verstauen. So gut es eben geht versuche ich ihr zu helfen. Aber ich bin ihr eher ein Hindernis. Ich hoffe, dass sich das schnell ändern wird. Die Schwester hat mir mitgeteilt, dass ich am Anfang keine Prothesen tragen werde. Es sei notwendig zuerst die Restmuskulatur im rechten Armstumpf und auch meiner linken Schulter, oder besser gesagt was davon noch übrig geblieben ist, zu stärken. Mit grösster Wahrscheinlichkeit müssen danach die Prothesen neu angepasst werden. Mein Unterleib müsse ebenfalls gestärkt werden. Da müsse man aber eine aussergewöhnliche Strategie anwenden. Dies sei auch der Grund weshalb ich gerade in diesem Zimmer bin. Mein Zimmergenosse  muss eine ähnliche Therapie über sich ergehen lassen. Ach so dieser scheint auch keine Beine zu haben, denke ich.. Meine Freundin zieht mir meine beiden Armprothesen aus. Am rechten Unterarm kommt nun die inzwischen sehr gut verheilte St!
umpf zum Vorschein. Die Schwester sieht diesen und meint: "Hm, da hat aber ein Profi gearbeitet." Ein so ästhetischer Stumpf  habe sie sehr selten gesehen bis jetzt.  Sie hat recht. Er gefällt mir in der Zwischenzeit auch recht gut. Nur eine relativ kurze Narbe überzieht ihn und ist schnurgerade wie mit einem Lineal gezogen. Keine Haut wurde zuviel vernäht. Alles ist glatt und ohne Beule. Anders sieht meine linke Schulter aus. Aufgrund der Nachamputation ist er mit mehreren Narben übersäht. Doch diese sind auch gut verheilt.

Für meine Freundin heisst es jetzt Abschied nehmen. So oft es geht werde sie mich besuchen. Hoffentlich kann ich ihr dann mein Fortschritt demonstrieren. Insgesammt freue ich mich schon adrauf, obwohl es eine anstrengende Sache wird.

Nun kommt auch mein Zimmernachbar ins Zimmer gerollt. Wie ich vermutet habe, hat er keine Beine. So wie es aussieht fehlen ihm wie bei mir auch die Beinansätze. Er scheint ebenfalls im Becken amputiert zu sein. Er ist sehr verschwitzt in seinem Traineranzug. Dieser hat sehr kurze Hosenbeine. Doch in diesen befindet sich nichts.

"Hallo", sagt er "du bist wohl der neue. Sei begrüsst bei den Beinlosen. ...Ach, dir fehlen ja auch beide Arme, da hast du ja ein ganz schönes Stück Arbeit vor dir. Wie du siehst bin ich vorhin ziemlich stark geschjlaucht worden. Jetzt muss ich meinen Schweiss vom Körper waschen."

So beginnt er sich auszuziehen. Dabei kommt eine Art Korsett zum voprschein, das noch stabiler gebaut ist als meins. Unten hat es eine rundere Form als meins und ist komplett geschlossen. Er löst nun alle Klettverschlüsse die sich in seinem Brustbereich befinden. Das Ganze ist sehr gut aufd seiner HAut gepolstert. "Das verdammte Ding ist sehr schweisstreibend. Ich bin jedesmal froh wenn ich es abnehmen kann"

Als er sich langsam von dem Korsett befreite merkte ich, dass er am Bauch einen Verband trägt. Schnell wird mir klar, dass es sich um einen künstlichen Darmausgang handeln muss. Ich erschrecke leicht als er sich plötzlich mit beiden Armen seinen Körper in die Höhe stemmt. So wird das ganze AUsmass sichtbar. An seinem Bauchverband hängt eine undurchsichtige Plastiktüte. Aber schon leicht unterhalb dieses Darmausgangs hörte sein Körper auf zu existieren. Er hat also kein Becken mehr. Ich habe zwar schon davon gehört, dass dies schon gemacht wurde, doch einen unterleibsamputierten Menschen habe ich bis jetzt noch nie getroffen.

from: Martin, 34, male, CH.
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